Als Tom und seine Schwester Mia das Haus ihres Großonkels ausräumten, rechneten sie mit alten Möbeln, vergilbten Fotos und vielleicht ein paar Erbstücken. Was sie nicht erwarteten, war die Tapete.
Sie löste sich im Arbeitszimmer in langen, staubigen Bahnen, und darunter kam die Wand zum Vorschein. Sie war über und über beschrieben. Zahlenreihen, mit Bleistift notiert, eingekreist, durchgestrichen, neu geschrieben. Dazwischen Skizzen von Küstenlinien, eine Windrose und immer wieder dieselben zwei Wörter: „Nicht aufgeben.“
„Das sind Koordinaten“, sagte Mia leise und fuhr mit dem Finger über die Ziffern. „Breitengrad und Längengrad.“
Tom tippte die eingekreiste Zahlenfolge in sein Handy. Die Karte zoomte heraus, über Europa hinweg, über das Meer, und blieb schließlich an einem Punkt hängen, an dem gar nichts zu sein schien. Kein Land. Keine Insel. Nur Blau.
„Da ist nichts“, sagte er.
In diesem Moment klingelte das alte Telefon im Flur. Das Telefon, dessen Kabel, wie beide genau wussten, seit Jahren durchgeschnitten war.
— Der Erzähler