Kommissarin Mara Feld hasste Fälle, die zu ordentlich aussahen. Und das Arbeitszimmer des Uhrmachers Albert Wendland war so ordentlich, dass es ihr in den Zähnen wehtat.
Kein umgeworfener Stuhl. Keine Kampfspuren. Nur Wendland selbst, zusammengesunken über seiner Werkbank, die Lupe noch im Auge, und neben ihm eine Taschenuhr mit zerbrochenem Glas. Die Zeiger standen auf 23:17.
„Herzversagen“, sagte der junge Kollege an der Tür. „Der Mann war vierundachtzig.“
Mara antwortete nicht. Sie betrachtete die Wand hinter der Werkbank, an der vierzig, vielleicht fünfzig Uhren hingen. Sie tickten alle. Alle zeigten die richtige Zeit. Nur in der dritten Reihe gab es eine Lücke, und ein heller Fleck auf der Tapete verriet, dass dort bis vor Kurzem noch etwas gehangen hatte.
„Wer hat ihn gefunden?“, fragte sie.
„Die Nachbarin. Sie sagt, sie habe gestern Abend noch Stimmen gehört. Einen Streit. Eine Frauenstimme.“
Mara beugte sich über die zerbrochene Taschenuhr. Auf der Rückseite war etwas eingraviert, kaum lesbar unter einer frischen Schramme: ein Datum und zwei Initialen. Die Initialen kannte sie. Es waren ihre eigenen.
— Der Erzähler